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Samstag, 16. Dezember 2017
20 Jahre Mauerfall in Mödlareuth Drucken E-Mail
Geschrieben von Sandro Möckel   
Dienstag, 15. Dezember 2009

Sternenmarsch Mödlareuth Am 09. Dezember 1989, einen Monat später als in Berlin, wurde auch die Mauer durch den Ort Mödlareuth geöffnet und ein Fussgängerübergang mit festgeschriebenen "Öffnungszeiten" geschaffen.

Gemeinsam mit den Einwohnern aus Mödlareuth (Gefell) sowie Mödlareuth (Töpen) feierten viele Menschen mit einem Sternenmarsch diesen Mauerdurchbruch vor 20 Jahren.

Die Gefeller Kameraden übernahmen die Absicherung von drei der vier Fackelumzügen nach Mödlareuth sowie der anschließenden Kundgebung am Freigelände des "Deutsch Deutschen Museums ".


OTZ

Vier Wochen nach Berlin
In Mödlareuth wird mit einem Sternmarsch an 20. Jahrestag der Grenzöffnung erinnert

Von OTZ-Redakteur Uwe Lange Mödlareuth. Anders als in Berlin, musste man vor 20 Jahren in Mödlareuth noch vier lange Wochen auf die Öffnung der Mauer warten. "Mit Mahnwachen im Schein von Kerzen haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass in Mödlareuth die Mauer weiter die Menschen trennt - die Freiheit hier noch nicht angekommen ist. Am 9. Dezember 1989 hat man sich dann entschieden, auch in Mödlareuth die Mauer zu öffnen", rief Klaus Grünzner, Bür-germeister der Gemeinde Töpen, am Mittwoch den Menschen zu, die zum gemeinsamen Erinnern an dieses historische Ereignis in die Ortsmitte des einstigen "Little Berlin" gekommen waren.

Gemeinsam auch hatten Gefell und Töpen - das "jeweilige" Mödlareuth ist Ortsteil der Kommunen in Thüringen und Oberfranken - diese Jubiläumsgedenkveranstaltung organisiert. Den Auftakt bildete eine Sternwanderung mit Fackeln. Wohl symbolisch für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen, näherten sich die Teilnehmer aus allen vier Himmelsrichtungen in etwa der Stelle, wo am Morgen des 9. Dezember 1989 - es war um 8 Uhr - der Eiserne Vorhang auch hier endlich löchrig wurde.

Bürgermeister Marcel Zapf aus Gefell sah diese frühe Abendstunde als eine gute Zeit für das Ge-denken, den Austausch von Erinnerungen - aber auch für gemeinsames Feiern. Im Anschluss trat dann sein Amtskollege Klaus Grünzner ans Rednerpult und grüßte die Vogtländer aus Thüringen, Sachsen und Bayern. Der Bürgermeister von Töpen erinnerte seine Zuhörer daran, dass die Staatsmacht damals gerade in Mödlareuth nochmals ihre Muskeln spielen ließ und das den Men-schen auch deutlich zeigte. "Die Mauer war für die Menschen nur in der Zeit von morgens 8 Uhr bis abends 22 Uhr durchlässig. Danach erfüllte sie wieder ihr trennendes Element, ihre ursprüngliche Funktion", so seine Worte. Der Drang der Menschen nach Freiheit sei aber auch hier nicht mehr einzudämmen gewesen. Im Lichterschein dieser Fackeln vom Mittwoch und in der Erinnerung an einen besonderen Glücksfall der deutschen Geschichte, sollte sich nach den Worten von Klaus Grünzner jeder ins Bewusstsein rufen, dass alle Anstrengungen erforderlich sind, um den Frieden und die Freiheit als höchstes Gut der Menschen auf Dauer zu bewahren.

Der Posaunenchor Gefell/Töpen leitete musikalisch über zu einer Andacht, die von Pastorin Anne-Katrin Kummer, Pfarrer Wolfram Kummer (beide Gefell) und Pfarrer Friedemann Schubert (Mißla-reuth) gestaltet wurde. Alle grüßten sie Pfarrer Schneider aus Töpen, der kankheitsbedingt leider nicht an dieser Veranstaltung teilnehmen konnte.

"Wie lange das gedauert hat, bis hier die Tür aufging. Wir in Mißlareuth - ich bin der alte Pfarrer von dort - waren dabei vor 20 Jahren", rief Friedemann Schubert in die Runde. Er erinnerte u.a. an den Besuch von Pfarrer Schneider am 1. Advent 1989, der um nach Mißlareuth zu kommen, noch einen weiten Umweg machen musste. "Sein Gruß war uns wichtig, mein war die Predigt mit dem Thema ´Türen auf´", sagte der Geistliche. An jenem Sonntag war man bei der Menschenkette, die die alte DDR durchziehen sollte mit Lichtern. Zwei Tage hat es dann gedauert, bis die Tür in der Mauer installiert war. "Eine Passstelle hüben, eine Zollbude drüben, es waren eben noch zwei Staaten."KommentarDer Ansprache des Bürgermeisters folgte eine gemeinsame Andacht zum Gedenken an die Grenzöffnung.

Ostthüringer Zeitung am 10.12.2009

 
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