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Donnerstag, 21. September 2017
25.05.2007 16:01 Uhr - Unwetterkastatrophe in Gefell nach Hagel und Starkregen Drucken E-Mail
Geschrieben von Sandro Möckel   
Freitag, 25. Mai 2007

Unwetter 2007 Ein schweres Unwetter traf in den Nachmittagsstunden des Pfingstfreitages 2007 die Stadt Gefell. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der Erlichbach trotz Hochwasserausbau in einen Fluss, der das Wasser bis zur Schleizer Straße trieb. Nicht nur das Freibad lief über, auch über 50 Keller der Häuser im Stadtzentrum und einigen Einfallstraßen liefen voll. Das Wasser riss Pflastersteine aus den Gehwegen und spülte mittlere Gerölllawinen auf die Bundesstraße.

Zu den Bildern...

Wie in der nachfolgenden Grafik ersichtlich ist, begann der Starkregen gegen 15.45 Uhr und dauerte bis nach 17.00 Uhr an.
 
Wettergrafik
Aufzeichnung der Wetterstation am Gerätehaus Gefell vom 25. Mai 2007
 
In dieser Zeit wurde von unserer Wetterstation eine Niederschlagsmenge von 88,1 Liter pro m2 gemessen. Da ein Großteil des Wassers jedoch als Hagel über Gefell nieder ging und es zu kurzzeitigen Schauern mit extremer Regenmenge kam, kann von einer Gesamtregenmenge von weit über 100 Litern ausgegangen werden. Äußerst interessant dabei ist auch, dass die Außentemperatur innerhalb einer Stunde von 29,2° C (15.00 Uhr) auf 7,6° C (16.10 Uhr) sank - also ein Temperaturabfall von 21,6° in 70 Minuten.
 

 Unser TLF 16/25 auf der Schleizer Straße
(normalerweise ist das die Bundesstraße 2 durch Gefell) 

 

 Bereich Bachstraße

 

Berichterstattung bei n-tv

 

 

 

Schweres Unwetter trifft Oberland
Erhebliche Schäden in Gefell und seinen Ortsteilen sowie in der Stadt Hirschberg

Von OTZ-Redakteur Uli Drescher Gefell/Hirschberg. Entsetzt, fassungslos und mit Tränen in den Augen mussten gestern Nachmittag zwischen 15.30 und 17 Uhr viele Gefeller in der Innenstadt tatenlos zusehen, wie ihr Hab und Gut im Wasser regelrecht unterging.

Mehr als 35 Liter Regenwasser pro Quadratmeter ergossen sich nach ersten Schätzungen aus einer Unwetterfront von Dobareuth kommend über der Stadt Gefell. Auch Hirschberg wurde in Mitleidenschaft gezogen und das Freibad überschwemmt.

In Gefell verwandelte sich der Erlichbach trotz Hochwasserausbau in wenigen Minuten in einen Fluss, der zur Spitzenzeit das Wasser bis zur Schleizer Straße trieb. Nicht nur das Freibad lief über, auch die Keller der Häuser im Stadtzentrum und einigen Einfallstraßen liefen voll. Das Wasser riss Pflastersteine aus den Gehwegen und spülte mittlere Gerölllawinen auf die Bundesstraße. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", meinte ein Gefeller fassungslos angesichts der Wassermassen, die sich durch die Bachstraße wälzten Die Freiwillige Feuerwehr Gefell und die Ortsteilfeuerweh-ren rückten mit allen verfügbaren Kräften aus, fast alle Wehren aus dem Saale-Orla-Kreis unter-stützten im Laufe des Nachmittags und des Abends mit Einsatzkräften, um die Situation in den Griff zu bekommen. Aber vor allem im Bereich des Erlichbaches blieb auch den Kameraden der Feuerwehr zunächst nur übrig, die Zufahrten abzusperren und Autofahrer davon abzuhalten, ihre zum Teil vom Wasser mitgerissenen Fahrzeuge aufzusuchen.

Die Situation wurde zusätzlich durch einen großflächigen Stromausfall erschwert, der auch die Tankstelle der Stadt lahm legte. Bei der Feuerwehr wurde vorübergehend der Kraftstoff für die Pumpen knapp.

Die Pfingstfeiertage werden für viele Gefeller wohl keine Erholung werden sondern der Schadensaufnahme und -beseitigung dienen.

Ostthüringer Zeitung vom 26.05.2007


Gefell packt an und räumt auf
Große Schäden entlang des Erlichbaches - Kirchstraße gesperrt - Feuerwehrfest abgesagt

Von OTZ-Redakteur Uwe Lange Gefell. Als der Erlichbach wieder in seinem Bett war, wurde das ganze Ausmaß der Schäden deutlich, die das Unwetter vom Freitag in Gefell angerichtet hatte. "Im Moment kann man den Schaden in finanzeller Hinsicht gar noch nicht abschätzen. Chaos ohne Ende - Straßen total kaputt. Die Bachstraße, deren Sanierung im Generalentwässerungsplan für 2009 geplant war, ist einfach nicht mehr da. Wir haben jetzt tausend Probleme", dies erfuhr OTZ am Sonnabend von Bürgermeister Ulrich Schmidt.

Großes Aufräumen war dann nicht nur entlang des Erlichbaches angesagt. Zum Teil mit Schubkar-ren wurde der Schlamm aus den Wohnungen/Grundstücken gefahren. Mittels Hochdruckreiniger säuberten die Betroffenen das, was nach der Flut noch zu verwenden war. Gräben wurden frei gemacht und Treibgut aufgesammelt. All die Arbeiten liefen sicher bei vielen mit den Gedanken im Hinterkopf, dass der Wetterdienst ja bereits neue Gewitterfronten gemeldet hatte. Mit einer Mülltonnen kam Ralf Schilling aus einem Grundstück direkt am Bach. Wenig später füllte er diese mit Sägespänen, um so den Schlamm zu binden. "Um halb Vier ging es los. Eine Stunde lang Hagel und das wars. Zwei Autos sind kaputt, alle Maschinen, Keller abgesoffen, Wohnung weg, Werk-zeug weg. Soll ich am Dienstag zur Kundschaft gehen und sagen: Gebt mir mal eine Bohrmaschine...", so lautete seine bedrückende persönliche Bilanz dieses "schwarzen Freitags". 1991 soll es bereits einmal ähnliches gegeben haben. Damals wurde in Sachen Hochwasserschutz etwas ge-tan, diesmal kam das Wasser nur eben einen Meter höher. Wie der Gefeller zum Ausdruck brachte, kann man - trotz aller Schäden - noch froh darüber sein, dass die Flut kein Menschenleben forderte.

Die Feuerwehr half wo sie konnte. Gemeinsam mit Gefell standen alle Ortsteilwehren, die Tannaer mit allen Ortsteilwehren sowie die Kameraden aus Schleiz, Hirschberg und Pößneck im Katastropheneinsatz.

Wehrführer Detlef Wagner und seine Mitstreiter waren am Sonnabend bis 20.30 Uhr in der Stadt. Gestern wurden sie im Gerätehaus aktiv, rund 30 Zentimeter Schlamm mussten aus dem Keller. Der Presse wurde weiter mitgeteilt, dass das Gefeller Feuerwehrfest abgesagt wurde.Die Kirchstraße ist auch total unterspült. Wir mussten sie jetzt sperren.

Ostthüringer Zeitung am 28.05.2007


Niederschlagsmenge in Gefell soll höher sein
Einige Ungereimtheiten klären sich auf

Schleiz (OTZ/-dre-). Die Niederschlagsmenge des Unwetters in Gefell liegt nach Meinung von Beobachtern vor Ort weit höher als die ursprüngliche Schätzung am 29. Mai von 35 Litern je Quadratmetern. Diese Information erreichte OTZ gestern. Geschätzt werden bis zu 90 Liter.

Amtliche Daten darüber liegen allerdings bislang nicht vor, wie der Deutsche Wetterdienst gestern auf Anfrage informierte. Das Ereignis in Gefell ist dort bis dato nicht erfasst, da es nur auf einen sehr kleinen Raum konzentriert war. Die in der Region tätigen Wettermelder reichen ihre Unterlagen nach wie vor schriftlich ein und da kann die Auswertung länger dauern, heißt es aus der Wetterzentrale in Potsdam Der Deutsche Wetterdienst weist aber in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es durchaus möglich sei, auch im nachhinein genauere Ergebnisse zu erhalten, denn die Wetterereignisse werden auf jeden Fall vom Radar erfasst. Man könne auch später noch berechnen, welche Menge Wasser die Niederschlagszelle über einem bestimmten Gebiet verlor. Diese Auskünfte bzw. Wettergutachten seien jedoch nicht umsonst zu haben und können bis zu 1000 Euro kosten.

Im Zusammenhang mit dem Unwetter in Gefell korrigierte gestern auch Bürgermeister Ulrich Schmidt (FWE) eine Formulierung, die das notwendige neue Befüllen des Freibad-Beckens betrifft. Schmidt, der selbst Vorsitzender des Zweckverbandes Wasser und Abwasser "Obere Saale" ist, hatte gegenüber OTZ die Hoffnung geäußert, dass das Freibad vom Zweckverband "schnell und unentgeltlich wieder befüllt" werden soll. Das haben offenbar einige Amtskollegen des Gefeller Bürgermeisters als Selbstbedienungsversuch verstanden. "Natürlich bezahlen wir das Befüllen", sagte Schmidt gestern OTZ. Er wollte verstanden wissen, dass es um eine möglichst schnelle, "unbürokratische und nicht unentgeltliche" Hilfe des Zweckverbandes geht, bedauerte Ulrich Schmidt den verbalen Lapsus.

Osttühringer Zeitung am 07.06.2007

 
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